Klare Sicht dank Hornhautspende – 1000. Entnahme eines Augenhornhauttransplantats am Universitätsklinikum Ulm

Foto: Gute Sicht in jedem Alter wichtig © analogicus auf Pixabay

(lifePR) ( Ulm, ). Verblasste Farben und verschwommene Kontraste – mehr konnte Berit Vogel auf Grund einer Erkrankung der Augenhornhaut nicht mehr sehen. Über Jahre war ihre Sehkraft immer schlechter geworden und sie drohte zu erblinden. Dank der erfolgreichen Transplantation zweier Augenhornhäute an der Ulmer Uniklinik für Augenheilkunde kann sie heute wieder sehr gut sehen. Wie sie profitieren viele Patient*innen von Hornhautspenden. Im August wurde am Universitätsklinikum Ulm nun das 1000. Hornhauttransplantat entnommen.

Rund vier Jahre nach Inbetriebnahme der Hornhautbank kann sich die Klinik für Augenheilkunde über eine sehr hohe Spenderbereitschaft in der Bevölkerung freuen, die seit dem vergangenen Jahr stark gestiegen ist. Die Gewebespende ermöglicht vielen Patient*innen mit einer Veränderung der Augenhornhaut – beispielsweise aufgrund von Verletzungen oder erblich bedingten Krankheiten – eine Wiedergewinnung ihrer Sehkraft. „Wir erhalten über 80 Prozent unserer Sinneswahrnehmungen über die Augen. Das macht sie zu unserem wichtigsten Sinnesorgan. Eine Erblindung oder starke Minderung der Sehkraft ist daher eine riesige Einschränkung im täglichen Leben“, erklärt Professor Dr. Gerhard Lang, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde. „Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, um allen Spenderinnen und Spendern aber auch deren Angehörigen zu danken.“

Da es sich bei Augenhornhäuten um nicht-durchblutetes Gewebe handelt, ist eine Entnahme bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich. „In der Regel gilt: Personen, die Blut spenden dürfen, können auch ihre Augenhornhaut spenden“, so Assistenzarzt Arne Speidel von der Klinik für Augenheilkunde. Ebenso ist die Transplantation aufgrund der immunologischen Beschaffenheit der Hornhaut weniger kompliziert. In einer einstündigen Operation wird die Hornhaut behutsam transplantiert. Anschließend verbringen Patient*innen eine Woche in der Klinik für Augenheilkunde. „Unsere Patienten bekommen nach der Transplantation gut verträgliche Medikamente. Antibiotische und cortisolhaltige Augentropfen werden verabreicht, bevor dann die Nachsorge in der Regel bei einem niedergelassenen Augenarzt erfolgt“, erläutert Assistenzarzt Arne Speidel.

Berit Vogel kann nach der erfolgreichen Transplantation wieder normal sehen, nur am Computer und zum Lesen braucht sie eine Brille. Besonders die kräftigen Farben, die sie kurz nach der Transplantation wieder sehen konnte, haben sie beeindruckt. „Ich glaube, das kann niemand nachvollziehen, der das nicht erlebt hat. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die bereit sind, ihre Augenhornhaut zu spenden“, sagt die 54-Jährige.

Hintergrundinformationen:

Der Prozess von der Entnahme bis zur Transplantation einer Hornhaut erfolgt am Universitätsklinikum Ulm interdisziplinär. Entscheidet sich eine Person zu Lebzeiten für eine Augenhornhautspende – oder willigen nahe Angehörige ein –, wird zunächst geprüft, ob die oder der Verstorbene für eine Spende geeignet ist. Trifft dies zu, werden die Spenderhornhäute in der Pathologie des Universitätsklinikums Ulm entnommen und zum Ulmer Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik (IKT Ulm) gebracht. In der dortigen Augenhornhautbank werden die Hornhäute prozessiert und hinsichtlich ihrer Qualität  und Sicherheit überprüft. Auf schriftliche, patientenbezogene Anforderung seitens der Augenklinik werden sie zur Transplantation in die Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm verschickt, wo sie kurze Zeit später transplantiert werden können. Dies erfolgt, je nach Krankheitsbild, als perforierende Keratoplastik (Transplantation der kompletten Hornhaut), oder als lamelläre Keratoplastik die sogenannte Descemet-Membran-Endothel-Keratoplastik (DMEK, Transplantation einer speziell präparierten Lamelle). Neben der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm versorgt die Augenhornhautbank des IKT Ulm weitere Kliniken in der Ulmer Umgebung.

Weitere Informationen:

Interview mit der Patientin Berit Vogel